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Anafi entdecken: Die unbekannte Kykladen-Insel im Überblick

Anafi ist das andere Griechenland: kahl, still, ehrlich – und genau deshalb so besonders. Wer zwischen Santorin und Astypalea die Fähre nimmt, entdeckt eine Insel, die man nicht googelt, sondern erlebt.

Anafi entdecken: Die unbekannte Kykladen-Insel im Überblick

Anafi: die Insel, die Apollon aus dem Meer hob

Es gibt Inseln, die verkaufen sich selbst. Und es gibt Anafi. Die liegt am südöstlichen Rand der Kykladen, irgendwo zwischen Santorin und Astypalea, und wenn Sie auf der Fähre von Santorini aus nach Osten schauen, sehen Sie nach etwa einer Stunde einen kahlen, felsigen Rücken auftauchen, der aussieht, als hätte jemand vergessen, ihn fertig zu bauen.

Genau das ist der Punkt. Anafi ist nicht Mykonos. Nicht Santorin. Nicht einmal Folegandros. Und wer das vorher nicht weiß, wird die Insel vielleicht langweilig finden. Wer es weiß, kommt wieder.

Ich war inzwischen viermal dort. Beim ersten Mal, ehrlich gesagt, aus Versehen: Mein Fährticket nach Santorin war überbucht, und der einzige Ausweg hieß „Anafi". Drei Tage später wollte ich nicht mehr weg.

Wichtige Erkenntnisse

  • Anafi ist eine der südlichsten Kykladen-Inseln, rund 40 Quadratkilometer groß und hat nur ein einziges Dorf: Chora.
  • Die Insel erreichen Sie ausschließlich per Schiff – es gibt keinen Flughafen.
  • Das Wahrzeichen ist der Monolith von Kalamos, mit etwa 460 Metern der höchste Felsen seiner Art in der Ägäis.
  • Höchster Punkt der Insel: Agios Elias mit etwa 582 Metern – gut für eine Wanderung, nicht für einen Spaziergang.
  • Wer Trubel sucht, ist falsch. Wer Ruhe sucht, ist richtig.
  • Die beste Reisezeit sind spätes Frühjahr und September, wenn die Meltemi-Winde nachlassen.

Anafi: Geografie, Fakten und die Lage mitten im Nirgendwo

Die Insel liegt östlich von Santorin und westlich von Astypalea, ungefähr dort, wo die Kykladen in die Dodekanes übergehen. Verwaltungstechnisch gehört Anafi zur Region Südliche Ägäis, gemeindlich bildet sie zusammen mit Santorin und Ios eine Verwaltungseinheit.

Die Zahlen sind schnell erzählt:

  • Fläche: circa 40 Quadratkilometer
  • Einwohner: dauerhaft um die 270, in den Sommermonaten deutlich mehr
  • Dörfer: eines. Chora. Fertig.
  • Höchster Punkt: Agios Elias, ungefähr 582 Meter
  • Hafen: Agios Nikolaos, direkt unterhalb von Chora

Was auf keiner Karte steht: Diese Zahlen erzählen nichts darüber, wie still es dort nachts wird. Wie Sie beim Essen auf der Terrasse das Meer hören können, weil es keine Autos gibt, die es übertönen. Wie der Kellner im einzigen größeren Restaurant irgendwann neben Ihnen sitzt, weil niemand mehr kommt.

Wie kommt man nach Anafi – und wie lange dauert das?

Es gibt keinen Flughafen. Also: Schiff oder gar nicht. Die klassische Route führt über Santorin, etwa eine Stunde Überfahrt mit der Fähre. Von Piräus aus sind es je nach Route und Zwischenstopps gut sieben bis zehn Stunden. Die Verbindungen hängen an der Jahreszeit – im Sommer fährt mehrmals pro Woche ein Schiff, im Winter deutlich seltener, teils nur ein- bis zweimal wöchentlich.

Das ist der Punkt, an dem ich 2019 einen Fehler gemacht habe: Ich hatte nur die Hinfahrt gebucht und dachte, die Rückfahrt organisiere ich vor Ort. Ergebnis: zwei ungeplante Extratage, weil der einzige passende Kurs ausgebucht war. Nicht schlimm. Aber wenn Sie einen Weiterflug haben, buchen Sie beide Richtungen vorher.

Das Wetter – und warum die Meltemi alles bestimmt

Von Juli bis August weht die Meltemi mit einer Wucht über die Ägäis, die auf einer kahlen Insel wie Anafi wenig aufhält. Der Wind trocknet die Haut aus, drückt die Temperatur gefühlt nach unten, macht aber Fähranfahrten unangenehm und manchmal unmöglich. Wer empfindlich ist, plant Anafi besser für Mai, Juni oder September.

Im September war es bei meinem letzten Besuch angenehm: tagsüber um die 26 Grad, das Meer noch warm genug zum Schwimmen, und die Insel halb leer. Das ist für mich die beste Reisezeit – und auf diesem Hügel würde ich mich durchaus streiten.

Chora: ein Dorf, das auf einer Festung sitzt

Wenn die Fähre in Agios Nikolaos anlegt, sehen Sie sie sofort: die weißen Häuser von Chora, amphitheatralisch auf einen Hügel gebaut, obenauf die Ruinen einer venezianischen Festung. Von unten sieht es aus, als würden die Häuser übereinander klettern.

Chora ist nicht groß. Sie laufen es in zwanzig Minuten durch. Aber die Gassen sind eng genug, dass kein Auto hineinpasst, die Kirchen sind zahlreich – ich habe aufgehört zu zählen, als ich bei der vierzehnten war –, und am Rand des Dorfes stehen einige Windmühlen, teils restauriert, teils nur noch Gerippe.

Oben, in der Burgruine, liegt eine kleine Kapelle. Von dort sehen Sie die ganze Insel. Bei klarer Luft sehen Sie Santorin als dunstigen Streifen am Horizont. Und dann drehen Sie sich um und sehen – nichts. Nur Meer, bis zur nächsten Küste, die weit weg ist.

Was kostet ein Aufenthalt auf Anafi?

Offen gesagt: weniger, als man denkt, wenn man von den Kykladen kommt. Ich habe für eine einfache Unterkunft mit Blick auf Chora im Juni 2023 rund 55 Euro pro Nacht bezahlt. Im Hochsommer ist es teurer, aber Anafi kennt keine Preise wie Santorin. Ein Abendessen zu zweit mit Wein lag zuletzt bei etwa 35 Euro.

Die Auswahl an Unterkünften ist überschaubar. Es gibt ein paar Studios im Dorf, einige direkt am Hafen und eine Handvoll Häuser am Strand. Wer im August kommt, sollte früh buchen – nicht, weil Anafi überlaufen wäre, sondern weil es einfach wenige Betten gibt.

Kalamos, der Monolith, und der Rest der Insel

Jetzt zum eigentlichen Grund, warum Anafi in meinem Kopf hängengeblieben ist. Am östlichen Ende der Insel steht ein Felsen im Meer, dessen Ausmaße auf Fotos nicht rüberkommen: Kalamos, mit rund 460 Metern Höhe der größte Monolith der Ägäis. Ein einziger Kalksteinblock, senkrecht aus dem Wasser, obenauf die Kapelle Agios Ioannis.

Ich bin einmal hingewandert. Es ist machbar, aber es ist kein Spaziergang: schattenlos, steinig, und im Sommer brennt die Sonne unbarmherzig. Nehmen Sie mehr Wasser mit, als Sie für nötig halten. Ich habe damals zu wenig gehabt und die letzten Kilometer mit trockenem Mund geschafft.

Strände auf Anafi – welche und für wen?

Anafi hat mehr Strände, als die Insel Einwohner hat. Aber nicht jeder ist für jeden:

  • Klissidi: kleiner Kiesstrand in Hafennähe, bequem, aber nicht spektakulär
  • Katsouni: der bekannteste Strand, erreichbar zu Fuß in etwa 20 Minuten von Chora – grober Sand, türkisblaues Wasser
  • Monastiri: Bucht mit dem Kloster Panagia Kalamiotissa, per Boot oder mit dem Auto erreichbar
  • Roukounas: Sandstrand, naturbelassen, keine Infrastruktur, weite Fläche
  • Die ganz abgelegenen: nur per Boot, dafür leer bis auf Sie

Was auffällt: Selbst im August sind die meisten Strände nicht voll. Ich habe an einem Nachmittag in Katsouni vielleicht fünfzehn Menschen gezählt. Auf Santorin stehen Sie für ein Plätzchen Sand Schlange.

Anafi und der Mythos von Apollon

Der Name kommt nicht von ungefähr. Der Überlieferung nach ließ Apollon die Insel aus dem Meer steigen, damit die Argonauten auf ihrer Rückfahrt von Kolchis einen sicheren Hafen fanden. Das griechische Wort „anefani" bedeutet sinngemäß „die Erschienene", „die Aufgetauchte".

Ob man das glaubt, ist zweitrangig. Interessant ist, dass die Insel sich bis heute so anfühlt: als sei sie eben erst aufgetaucht und noch nicht ganz fertig eingerichtet.

Was Sie vorher wissen sollten – ehrlich und ohne Beschönigung

Ich will hier nicht die übliche Reiseprosa schreiben. Anafi ist nicht für jeden. Hier ist, was tatsächlich zutrifft:

Aspekt Anafi Santorin zum Vergleich
Erreichbarkeit nur Fähre, wenige Verbindungen Flughafen, tägliche Fähren
Unterkünfte wenige, einfach, günstig hunderte, teuer, oft ausgebucht
Restaurants eine Handvoll dutzende
Nachleben praktisch nicht vorhanden vorhanden
Strände ruhig, teils nur per Boot voll, oft überlaufen
Wandern viel, anspruchsvoll wenig Relevantes

Wer All-Inclusive, Poolbar und geführte Touren braucht, wird hier scheitern. Wer morgens ohne Plan losläuft und abends mit sandigen Füßen zurückkommt, wird bleiben wollen.

Häufige Fragen zu Anafi

Ist Anafi eine Reise wert?

Ja, wenn Sie Ruhe, Wandern und ein nahezu unberührtes Kykladen-Bild suchen. Nein, wenn Sie Trubel, Auswahl und Bequemlichkeit erwarten. Das ist keine Hochglanz-Frage, sondern eine Typfrage.

Wie viele Einwohner hat Anafi?

Dauerhaft wohnen dort um die 270 Menschen. In den Sommermonaten steigt die Zahl deutlich, weil Rückkehrer und Saisonkräfte dazukommen. Das Verhältnis von Stränden zu Besuchern ist trotzdem eines der entspanntesten in der ganzen Ägäis.

Gibt es auf Anafi einen Flughafen?

Nein. Das ist einer der Gründe, warum die Insel so geblieben ist, wie sie ist. Anreise ausschließlich per Schiff, meist über Santorin.

Ein Ort, der nicht versucht zu gefallen

Beim letzten Mal saß ich abends auf der Terrasse über Chora, das Meer unten schwarz, kein Licht außer ein paar Fenstern im Dorf. Kein Musikgedudel aus einer Bar, keine Bootsmotoren. Nur Wind.

Die Kellnerin fragte, ob ich wiederkomme. Ich sagte ja, ohne zu überlegen. Sie nickte, als hätte sie die Antwort schon vorher gewusst – und ging zurück in die Küche, wo ihr Mann die Rechnung für den letzten Tisch schrieb.

Manche Inseln muss man nicht erklären. Man muss nur rechtzeitig die Fähre erwischen.

Stefanie Hofmann

Stefanie Hofmann

Stefanie Hofmann arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Journalistin. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit den Themen Finanzen und Immobilien sowie mit den Schnittstellen von Frauen, Mode und Geschäftswelt. Ihre Berichterstattung umfasst dabei sowohl praktische Ratgeber als auch Analysen zu wirtschaftlichen Entwicklungen und Konsumtrends.

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