Technologie

Bitcoin Pizza Day: Die 10.000-BTC-Pizza und ihre irre Geschichte

Am 22. Mai 2010 kaufte Laszlo Hanyecz zwei Pizzas für 10.000 Bitcoin – damals rund 41 Dollar, heute ein Vermögen. Warum dieser Tag als Bitcoin Pizza Day gefeiert wird und was wirklich geschah.

Bitcoin Pizza Day: Die 10.000-BTC-Pizza und ihre irre Geschichte

Bitcoin Pizza Day: 10.000 BTC für zwei Pizzas – und warum das immer noch fasziniert

Am 22. Mai 2010 bestellte ein Programmierer in Florida zwei große Pizzas bei Papa John's. Bezahlt hat er sie nicht mit Dollar, sondern mit 10.000 Bitcoin. Der Gegenwert damals: rund 41 US-Dollar. Heute ist dieser Tag als Bitcoin Pizza Day bekannt – und die Zahl 10.000 BTC lässt selbst Leute, die mit Krypto nichts am Hut haben, kurz innehalten.

Ich gebe zu: Als ich zum ersten Mal davon las, dachte ich, das sei eine dieser erfundenen Internet-Legenden. Zwei Pizzas für ein Vermögen? Klingt nach Clickbait. Ist es aber nicht. Der Mann hieß Laszlo Hanyecz, die Transaktion ist auf der Blockchain nachvollziehbar, und sie ist bis heute einer der meistzitierten Momente in der Geschichte von Bitcoin.

Wichtige Erkenntnisse

  • Am 22. Mai 2010 kaufte Laszlo Hanyecz zwei Pizzas für 10.000 Bitcoin – der erste dokumentierte Kauf physischer Güter mit BTC.
  • Der damalige Gegenwert lag bei etwa 41 US-Dollar.
  • Hanyecz zahlte nicht direkt an Papa John's, sondern über einen anderen Nutzer namens Jeremy Sturdivant, der die Bestellung aufnahm.
  • Hanyecz bereut den Kauf bis heute nicht – aus seiner Sicht hatten die Coins damals schlicht keinen Marktwert.
  • Der 22. Mai wird jedes Jahr gefeiert, inzwischen vor allem als Marketinganlass von Pizzaketten und Krypto-Börsen.

Was genau passierte am 22. Mai 2010?

Die Kurzversion kennen viele. Die lange Version ist interessanter, weil sie zeigt, wie improvisiert das Ganze eigentlich ablief.

Was genau passierte am 22. Mai 2010?

Hanyecz war einer der ersten, die Bitcoin nicht nur theoretisch spannend fanden, sondern aktiv damit arbeiteten. Er programmierte sogar eine der frühen Mining-Versionen für Grafikkarten – damals eine kleine Sensation, weil plötzlich viel mehr Coins in kürzerer Zeit zu holen waren. Nur: Wofür? Es gab praktisch nichts, wofür man Bitcoin ausgeben konnte. Der Kurs war kaum existent, es gab keine Börsen im heutigen Sinn, und die meisten Menschen hielten die Sache für ein nettes Experiment unter Nerds.

Der Forumspost, der alles in Gang brachte

Also postete Hanyecz im BitcoinTalk-Forum, ob ihm jemand zwei Pizzas liefern könne – im Tausch gegen Bitcoin. Er bot 10.000 BTC. Klingt absurd, wenn man den heutigen Kurs im Kopf hat. Damals war es ein faires Angebot: Niemand wusste, ob diese Coins jemals einen echten Gegenwert bekommen würden, und Hanyecz wollte einfach beweisen, dass ein Tausch gegen reale Güter überhaupt möglich ist.

Ein Nutzer namens Jeremy Sturdivant, im Forum unter „jercos" unterwegs, nahm an. Er orderte die Pizzas bei Papa John's, ließ sie zu Hanyecz nach Florida liefern und bekam dafür die 10.000 Bitcoin. Zwei große Pizzas, ungefähr 41 Dollar Wert.

Das Ding ist: Hanyecz hat nicht bei Papa John's angerufen und gesagt „Nehmt ihr Bitcoin?". So funktionierte es nicht. Er bezahlte eine Privatperson, die wiederum in Dollar bezahlte. Der eigentliche Kauf war also eine Mischung aus Experiment, Gefallen und Community-Moment.

Wie viel sind 10.000 Bitcoin heute wert?

Hier wird es unangenehm – zumindest für alle, die sich vorstellen, sie hätten damals mitgemacht. Der Bitcoin-Kurs schwankt stark, aber selbst bei konservativen Annahmen reden wir über einen Wert im Bereich von mehreren hundert Millionen Euro. Rechnet man einen Kurs von rund 75.000 Euro pro BTC zugrunde, landet man bei etwa 750 Millionen Euro. Bei höheren Kursen geht es Richtung Milliarde.

Ich schreibe bewusst vorsichtig, weil der Kurs sich täglich ändert und ich Ihnen keine Zahl andrehen will, die schon morgen falsch ist. Aber die Größenordnung reicht: Aus einer Pizzabestellung wurde potenziell ein Vermögen, das viele Haushalte ein paar Mal absichern würde.

Interessant dabei: Auch Hanyecz hat später weiter mit Bitcoin bezahlt. Er kaufte noch mehrfach Pizzas auf diese Weise, als die Coins schon etwas wertvoller waren. Das ist der Teil, den die Schlagzeilen meist weglassen.

Warum Laszlo Hanyecz den Kauf nicht bereut

Das ist die Frage, die mir am häufigsten begegnet, wenn das Thema aufkommt. Und die Antwort ist überraschend nüchtern.

Warum Laszlo Hanyecz den Kauf nicht bereut

Hanyecz hat mehrfach erklärt, dass er den Kauf nicht als Fehler sieht. Aus einem simplen Grund: Damals hätten die 10.000 Bitcoin niemandem etwas gebracht, wenn sie niemand als Zahlungsmittel akzeptiert hätte. Der Punkt der Transaktion war ja gerade, zu zeigen, dass Bitcoin überhaupt funktionieren kann. Ohne solche frühen Tauschgeschäfte wäre die Idee nie über das Forum hinausgekommen.

Die Grundidee war der Tausch, nicht der Gewinn

Man kann das zynisch finden oder großzügig. Ich finde es ehrlich gesagt erfrischend. Wer sich hinsetzt und rechnet, was er „verloren" hat, missversteht die Situation von 2010. Es gab keinen funktionierenden Markt, keinen Preis, keine Absicherung. Es gab eine Gruppe Leute, die an eine Idee glaubten, und einen Typen, der Hunger hatte.

  • Kein liquider Markt – Coins ließen sich schwer in Geld tauschen.
  • Kein etablierter Preis – der „Kurs" entstand erst später durch Börsen.
  • Keine Infrastruktur – Zahlungen liefen über Foren und Privatpersonen.
  • Keine Sicherheit – niemand wusste, ob Bitcoin in fünf Jahren noch existiert.

In diesem Umfeld zwei Pizzas gegen Coins zu tauschen war kein Investment-Fehler. Es war ein Test.

Wie aus dem Kauf ein Feiertag wurde

Der 22. Mai ist heute mehr als ein Datum für Nerds. Rund um den Globus veranstalten Krypto-Börsen Aktionen, Pizzaketten werben mit Rabatten, und in Foren tauchen jedes Jahr dieselben Memes auf. Der Bitcoin Pizza Day ist zum Community-Feiertag geworden – und zum Marketinginstrument.

Wie aus dem Kauf ein Feiertag wurde

Was am 22. Mai tatsächlich passiert

Wenn Sie sich fragen, ob da wirklich etwas stattfindet oder ob das nur ein paar Leute im Internet feiern: Es ist beides. Große Börsen locken mit Rabattaktionen oder Verlosungen, manche Restaurants bieten Pizza gegen Krypto an oder verschenken Gutscheine, und lokale Bitcoin-Gruppen treffen sich zu Pizzaabenden. In vielen Städten gibt es inzwischen kleinere Meetups, bei denen genau diese Transaktion gefeiert wird – mit echten Pizzas, versteht sich.

Seit einiger Zeit beobachte ich, dass der Tag mehr und mehr zum Retail-Moment wird. Heißt: Leute, die mit Bitcoin wenig zu tun haben, lesen davon, bestellen sich eine Pizza und schauen sich nebenbei an, was Bitcoin eigentlich ist. Das war vor ein paar Jahren noch nicht so.

Aspekt 2010 Heute
Wert von 10.000 BTC ca. 41 US-Dollar mehrere hundert Millionen Euro
Wie wurde gezahlt? über einen Forennutzer als Mittelsmann direkt oder über Börsen und Lightning
Akzeptanz von BTC praktisch null in vielen Onlineshops und bei manchen Ketten
Bekanntheitsgrad ein Geheimtipp im Forum ein Datum mit Meme-Status

Was der Pizza-Kauf über Bitcoin verrät

Ehrlich gesagt ist die Transaktion von 2010 weniger eine Anekdote über verlorene Millionen – sie ist ein Beweis. Sie zeigt, dass Bitcoin den Sprung von der Idee zum Zahlungsmittel geschafft hat, zumindest für einen kurzen Moment.

Denn genau darum ging es: Kann man mit etwas, das keinen physischen Gegenwert hat, echte Güter kaufen? Die Antwort war ja. Und dieser Beweis kam nicht von einer Bank, einem Unternehmen oder einer Regierung, sondern von zwei fremden Menschen in einem Forum.

Warum Bitcoin als Zahlungsmittel trotzdem schwierig blieb

Was ich an der ganzen Geschichte am spannendsten finde: Sie erklärt auch, warum Bitcoin bis heute als Zahlungsmittel umstritten ist. Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie hätten vor Jahren etwas mit Bitcoin bezahlt. Der Wert hätte sich danach verzehnfacht. Würden Sie es nochmal tun?

Genau hier liegt der Knackpunkt. Solange der Preis so stark schwankt, ist jedes Bezahlen mit Bitcoin eine kleine Spekulation. Wer heute eine Pizza kauft und morgen sieht, dass die Coins 20 Prozent mehr wert wären, fühlt sich schlecht – nicht weil der Kauf falsch war, sondern weil der Vergleich mit einem anderen Zeitpunkt hinkt.

Hanyecz hat das früh erkannt und trotzdem weitergemacht. Für ihn war der praktische Nutzen wichtiger als der maximal mögliche Gewinn. Diese Haltung findet man heute selten.

Häufige Fragen zum Bitcoin Pizza Day

Wer ist Laszlo Hanyecz?

Laszlo Hanyecz ist ein Programmierer, der zu den frühen Bitcoin-Mitstreitern gehörte. Er entwickelte eine der ersten Methoden, Bitcoin mit Grafikkarten zu minen, und war im BitcoinTalk-Forum aktiv. Bekannt wurde er durch den Pizzakauf am 22. Mai 2010. Später kaufte er noch mehrfach Pizzas mit Bitcoin.

Wie viel sind 10.000 Bitcoin in Euro wert?

Das hängt vom Kurs ab, und der ändert sich laufend. Grob gerechnet liegen 10.000 BTC bei einem Kurs von 75.000 Euro pro Coin bei rund 750 Millionen Euro. Bei höheren Kursen entsprechend mehr. Eine exakte Zahl können Sie sich jederzeit über eine Kursseite selbst ausrechnen – ich würde hier keine Momentaufnahme als feste Wahrheit verkaufen.

Muss man am Bitcoin Pizza Day etwas tun?

Nein, müssen Sie nicht. Es ist keine Pflichtveranstaltung. Aber wenn Sie neugierig sind, ist der 22. Mai ein guter Anlass, sich mit der frühen Geschichte von Bitcoin zu beschäftigen – oder einfach eine Pizza zu bestellen und beim Essen darüber nachzudenken, dass aus zwei Pizzas mal ein Vermögen hätte werden können.

Fazit

Zwei Pizzas, 10.000 Bitcoin, 41 Dollar. Diese Kombination klingt wie der Beginn eines schlechten Witzes, ist aber der Moment, in dem eine abstrakte Idee zum ersten Mal greifbar wurde.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum der Bitcoin Pizza Day nicht in Vergessenheit gerät. Er erinnert daran, dass hinter jeder Kurszahl Menschen stehen, die irgendwann etwas ausprobiert haben, ohne zu wissen, ob es funktioniert. Hanyecz hat nicht auf den perfekten Zeitpunkt gewartet. Er hat einfach zwei Pizzas bestellt.

Und wenn Sie das nächste Mal eine Pizza bestellen, denken Sie vielleicht kurz daran, dass der Wert einer Sache nicht immer das ist, was auf dem Preisschild steht – sondern das, was ein anderer Mensch bereit ist, dafür zu geben. Manchmal sind das 41 Dollar. Manchmal eine halbe Milliarde. Meistens nur der Hunger.

Anna Jung

Anna Jung

Anna Jung ist Journalistin mit langjähriger Erfahrung in den Bereichen Finanzen, Immobilien, Frauen- und Modethemen sowie Wirtschaft. Sie berichtet seit über zehn Jahren über Anlagestrategien, Immobilienmärkte und branchenspezifische Entwicklungen. Daneben behandelt sie regelmäßig Schnittstellen von Mode, Karriere und weiblicher Finanzplanung.

Alle Artikel ansehen →